Chillen auf dem Berg

Leh, 21.7.2018

Heutiges Ziel zum Entspannen, nach einem recht anstrengenden, arbeitsamen Tag mit Büchern, Computer und Texten: Tsemo Gompa.


Nichts Neues, nichts Spektakuläres, einfach einer der Hausberge Lehs mit einem Tempel und einer Burgruine. Und trotzdem… Aber zuerst muss man hinauf.

Traditionelle Häuser am Fuße des Berges…

Und oben angekommen…

Die Aussicht ist immer grandios und aufgrund der Sonne und des Himmels jedes Mal ein bisschen anders.

Auch anders, je nach Blickwinkel.

Diesmal mit japanischer fotografischer Unterstützung…

Oben gibt es einen Tempel mit „protector room“.

Und einen mit Avalokiteśvara…

Von der Burg gibt es nicht mehr viel zu besichtigen.

Aber das macht nichts, die Aussicht macht das wieder wett. Ich bin begeistert, obwohl ich nun schon öfter hier heroben war.

Übernachtung im Dorfhaus

Hemis, 18./19.7.2018

Als ich im Dorf etwas fragte, wurde mir mit der Antwort auch ein Raum zum Übernachten im Haus der Familie angeboten. So etwas hatte ich eh schon länger im Sinn gehabt, also sagte ich zu.

In der Küche, dem Zentrum des Hauses…

Der 1. Stock. Hier liegt auch mein Schlafraum, der eigentlich das Wohnzimmer der Familie ist. Es sieht so aus, als ob sie es selten nutzen würden, das soziale Leben spielt sich in der Küche ab. Nachbarn kommen auf ein Trätschchen vorbei, Oma, Opa, Enkelkind, Schwiegertochter, Tochter, Sohn…

Alle sind irgendwann da und man trinkt zu jeder Gelegenheit Tee. Süßen, aber auch gesalzenen Buttertee. Ablehnen ist irgendwie nicht drin. Auch über den ungewaschenen Apfel, den ich in die Hand gedrückt bekomme, versuche ich möglichst wenig nachzudenken und esse ihn einfach.

Abends werden Momos gekocht. Alle helfen mit. Was mich wundert, ist, dass der Mann des Hauses ganz selbstverständlich das Ausrollen und Ausstechen des Teiges übernimmt.

Die Familie hat auch Kühe, die rund ums Haus grasen. Butter wird selbst gemacht, ich habe sie zum Frühstück gegessen.

Ein schönes Erlebnis und eine gute Gelegenheit, um ein traditionelles ladakhisches Dorfhaus von innen kennenzulernen und den Tagesablauf ein wenig mitzubekommen. Außerdem eine liebe Familie, die mich sehr selbstverständlich an allem teilhaben hat lassen.

Gotsangpa Cave

Hemis, 18.7.2018

Schon im frühen 13. Jahrhundert meditierte Gotsangpa in verschiedenen Höhlen in der Nähe von Hemis. Er gründete in dem Gebirgstal, das sich von Hemis aus noch weiter in die Berge hinauf zieht, eine Einsiedelei. Sie existiert noch heute und wird Gotsang genannt. Wie weit es denn sei bis dorthin, fragte ich einen alten Mönch aus Hemis, der gerade seine Runden um einige Stupas drehte.

15 Minuten, meinte er. Auf Ladakhi, aber daran lag es nicht, da kann man nicht so viel falsch verstehen. Ich rechnete mal vorsichtshalber mit dem Doppelten und machte mich auf den Weg. Vorbei an einer Felsformation, die vielleicht auch einmal als Meditationshöhle genutzt wurde.

Aber das war noch nicht das Ziel. Dahinter ging der Weg weiter, immer höher hinauf in einem engen Tal. Ganz oben sieht man schon die Einsiedelei. Aber das heißt nicht, dass man auch schon bald dort ist.

Der Blick zurück auf eine schon ziemlich jenseitig anmutende Landschaft…

Das letzte Stück wurde noch ziemlich kräfteraubend. Wer weiß, wie gut ich am Berg unterwegs bin, kann sich das ungefähr vorstellen. Aber jetzt umkehren kam auch nicht mehr infrage. Nicht einmal für mich.

Also weiter…

Schon fast da.

Ein erstes Einsiedler-Gebäude…

Bis zu den anderen ist es schon noch ein Stück. Zu dem Zeitpunkt war ich schon ca. eine Stunde unterwegs.

Oben angekommen! Mittlerweile fand ich das fast etwas unspektakulär, halt wieder so ein Gebäude im Stil der Klöster von Ladakh. Ich war aber vielleicht auch nicht mehr so richtig urteilsfähig, von der Höhe und dem Bergaufgehen.

Außerdem war alles geschlossen und niemand schien da zu sein. Nachdem ich mich ein wenig umgeschaut hatte, kamen aber doch Rufe aus einem Gebäude vom Hang gegenüber, und auf einmal war ein junger Mönch da, der das Gebäude aufsperrte.

Drinnen dann doch eine gewisse Überraschung. Die Meditationshöhle des Gotsangpa, in kitschigen Farben geschmückt zwar, aber insgesamt schon stimmungsvoll und etwas Besonderes.

Trotz Einsiedlertums war der Mönch bereit, ein Foto von mir zu machen. Schon komisch irgendwie, da ist man so lange unterwegs, ganz allein, und auf einmal sind da doch Menschen. Zum Schluss bekam ich sogar noch eine Einladung zum Tee herübergerufen vom Gegenhang. Aber ich wollte unbedingt noch bei Tageslicht nach Hemis zurückkommen, daher musste ich ablehnen.

Auf dem Rückweg…

Der Abstieg war ja, wie immer, kein Problem und sehr schön. Ich kann mir jedenfalls sehr gut vorstellen, warum sich jemand gerade dieses Tal für eine Einsiedelei ausgesucht hat.

Thikse

17.7.2018

Heute Fahrt nach Thikse und Hemis,
gemeinsam mit zwei Frauen aus Portugal und Spanien, die ich im Guesthouse kennengelernt habe.

Das Kloster Thikse liegt ca. 20 km von Leh entfernt auf einem Hügel – wie viele der Klöster hier. Dieses vielleicht besonders malerisch. Wir ließen das Taxi am Fuß des Berges kurz stoppen (so meinten wir zumindest), um von hier aus Fotos zu machen.

Eine ziemlich lustige Sache, bis wir bemerkten, dass unser Taxi weg war. Zu zweit machten wir uns daher auf den etwas kräfteraubenden Weg den Berg hinauf, um zu schauen, ob der Taxifahrer vielleicht verstanden hatte, dass wir zu Fuß zum Kloster gehen und er oben warten soll. Die Dritte wartete unten, weil es ja auch sein konnte, dass er wiederkam.

Während des Aufstiegs zum Kloster gab es ja eigentlich auch viel zu sehen und zu fotografieren.

Ein Beschützer der Himmelsrichtungen (hier jener des Ostens) vor einem Tempel, bei dem unser vermeintlicher Weg plötzlich in einer Sackgasse endete.

Oben angekommen, klärte sich das Missverständnis auf. Der Taxifahrer hatte uns tatsächlich falsch verstanden und wartete hier geduldig auf uns. Die Dritte im Bunde hatte in der Zwischenzeit erkannt, dass das Unten-Warten keinen Sinn mehr machte und eine Mitfahrgelegenheit zum Kloster hinauf gefunden.

So konnten wir nach kleinen Anlaufschwierigkeiten unsere Besichtigung von Thikse, einem Gelug-Kloster, beginnen.

Im Inneren…

Einer der Tempel ist den Beschützergottheiten gewidmet, die wie immer recht furchterregend aussehen und hier sogar verhüllt sind, damit sich ihre Kräfte nicht negativ auswirken…

In der alten Bibliothek lud uns ein netter Mönch ein, uns hinzusetzen, und erzählte uns allerhand über das Kloster und seine Aufgaben. Links im Bild eine Statue des Klostergründers.

Besonders beeindruckend auch hier wieder eine überlebensgroße Statue, zwei Stockwerke hoch, diesmal von Maitreya, dem Buddha der Zukunft.

In Hemis spielen Kinder aus dem Dorf in einem Auffangbecken. Typischerweise regnete es hier wieder, wie so oft, wenn ich in Hemis war.

Stok

15.7.18

Der Königspalast von Stok – ca. 15 km von Leh entfernt – wurde 1820 erbaut; 1834 wurde die königliche Residenz dann ganz hierher verlegt, als der Palast in Leh im Rahmen einer Invasion zerstört wurde.

Heute ist die Lage eigentlich eh schöner hier. Es ist ruhig, der Stadtrummel und Straßenverkehr Lehs berührt einen hier nicht, und es gibt einiges an Grün rundum. Auch ein Bächlein fließt in der Nähe.

Im Palast ist heute ein Museum installiert, ein Teil des Gebäudes wird allerdings noch von den Nachfahren der königlichen Familie genutzt.

Im Hof des Palastes…

Blick vom Palastberg in Richtung Leh…

Natürlich gibt es auch Stupas hier. Ziemlich schöne sogar, die aber dringend einer Renovierung bedürften.

Später – wieder einmal – in Hemis…

Ein Tag ohne Stupas

Leh, 14.7.2018

Heute einmal ein Tag ohne Stupas; es ist ja Wochenende, worauf ich aufmerksam gemacht wurde, und so kam ich darauf, dass ich auch einmal Pause machen könnte. Der Tag war wieder wunderbar sonnig, im Gegensatz zu gestern.

Im Hintergrund Tsemo Gompa, dort oben war ich diesmal allerdings noch nicht. Aber letztes Mal, als ich hier war, im März.

Der Palast von weitem, auf dem Berg.

Eine Einkaufsstraße in Leh…

Auch hier sind übrigens viele im Fußballfieber, und die Lokale stellen sich darauf ein. Am Foto ein Beispiel aus dem Stadtteil Changspa…

Public viewing am Abend in einem Lokal beim Main Market, auf der Dachterrasse. Die Leinwand ist übrigens eine Art Leintuch, ich hab’s untertags gesehen.

Mich begeistert Fußball ja nicht so, also auch nicht hier. Stattdessen abends beim Tempel von Leh…

Es ist ein Treffpunkt für Jung und Alt, heute halt nur jener, die nicht im Fußballfieber sind.

Drinnen ist der Tempel recht unspektakulär, ein relativ neuer Bau. Die Statue des Mañjuśrī finde ich aber schön. Er soll helfen, Weisheit zu erlangen.

Oberhalb des Tempelhofs halten die Straßenhunde ihr Schläfchen, bevor sie in der Nacht wieder unterwegs sein werden.

Das Werk eines zufällig in der Nähe befindlichen Hobbyfotografen. Seinen Finger hat er teilweise vor die Linse gehalten, den musste ich aus dem Bild schneiden.

„Maibaumaufstellen“ und Klosterrundgang

Freitag, 13.7.2018 (!)

So sah es vorgestern noch im Klosterhof von Hemis aus…

Das Ding, das die Weinviertler unter uns wahrscheinlich ein wenig an einen Maibaum erinnert, heißt laut Aussage eines älteren Mönches dar chen, das bedeutet so etwas wie „große Fahne“. Beim Aufstellen ist die aber natürlich noch nicht drauf. (Die Aktion hat im Gegensatz zum Maibaumaufstellen auch nichts mit Alkohol zu tun, falls da jetzt jemandem falsche Assoziationen in den Sinn kommen sollten.)

Heute präsentierte sich dieselbe Szenerie – allerdings bei etwas anderem Wetter dann so:

D.h. einer dieser Maste war schon aufgestellt und ummauert, aber noch mit Seilen fixiert. Der Regen kam den Arbeitern dazwischen, sie brachten schnell die Säcke mit Zement o. Ä. in Sicherheit. Ich mich auch, zuerst ins Museum und dann hinter einen überdachten Bereich des Hofes.

In Anbetracht des Regens besuchte ich dann im Kloster u. a. die riesige, zwei Stockwerke hohe Padmasambhava-Statue. Nichts Neues, aber trotzdem wieder schön und beeindruckend. Dieser Raum ist allerdings nicht alt, er wurde erst in den 1980er Jahren so gestaltet.

Im Raum der Beschützergottheiten, die immer ziemlich furchterregend aussehen.

Das Kloster ist ein ziemliches Gewirr aus älteren und neueren Teilen auf verschiedenen Ebenen. Man kann leicht den Überblick verlieren, wo man sich nun gerade befindet. Hier gerade auf dem Dach, über das man auch zu einigen Räumen gelangt.

Auch die Hunde haben sich vor dem Regen ins Trockene geflüchtet und beherzigen hoffentlich einige der Anweisungen auf dem Schild.